MeZEB – Versorgung von Erwachsenen mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen vor und nach Einführung von Medizinischen Zentren (MZEB)

  • Themenfeld: Versorgung von Menschen mit Behinderungen
  • Sitz des Antragstellers: Nordrhein-Westfalen
  • Status: laufend

Projektbeschreibung

Ende 2017 lebten rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 9,4 Prozent. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert in Artikel 25 die gleichberechtigte Gesundheitsversorgung von Menschen mit und ohne Behinderung. Darüber hinaus verpflichten sich die Vertragsstaaten, Gesundheitsleistungen bereitzustellen, die Menschen mit Behinderungen speziell wegen ihrer Behinderung benötigen. In der Praxis zeigen sich aber deutliche Hinweise auf Defizite bezüglich der gesundheitlichen Situation und der Versorgung erwachsener Menschen mit Behinderung.

So ist z. B. die Untersuchung und Behandlung eines erwachsenen Menschen mit Behinderung deutlich aufwändiger und damit zeitintensiver als die Behandlung eines Menschen ohne Behinderung. Dieser zusätzliche Aufwand wird in den ambulanten und stationären Abrechnungssystemen kaum berücksichtigt. Fehlende zeitliche und personelle Kapazitäten und fehlende Kenntnisse in der Kommunikation und im Umgang mit schwerbehinderten Menschen erschweren die medizinische Versorgung im Regelsystem und bergen das Risiko einer Fehlversorgung. Um diese Versorgungslücke im Erwachsenenalter zu schließen, besteht seit Juli 2015 die Möglichkeit einer ambulanten Behandlung durch Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB).

Bisher liegen über diese neue Versorgungsform kaum wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Das Projekt soll daher die folgenden übergreifenden Fragen beantworten:

  1. Wie ist die aktuelle medizinische Versorgung von Menschen mit geistigen oder Mehrfachbehinderungen?
  2. Wie verändert sich diese Versorgung durch die Einführung der Medizinischen Zentren für erwachsene Menschen mit Behinderungen?
  3. Welche Empfehlungen lassen sich ableiten, um die Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenkassen weiterzuentwickeln?
  4. Welche weiteren versorgungswissenschaftlichen Erkenntnisse lassen sich ableiten?

Um diese Fragen zu beantworten, wählen die Wissenschaftler einen sogenannten Mixed-Methods-Ansatz, mit dem verschiedene wissenschaftliche Untersuchungsmethoden angewendet werden. Sie sollen den Stellenwert der MZEB in der Versorgung der Betroffenen erfassen. Für das Projekt wird ein Projektbeirat eingerichtet, an dem neben Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, der Leistungsträger und der Leistungserbringer auch Vertreterinnen und Vertreter von Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörige teilnehmen. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. einer Million Euro gefördert

Im Erfolgsfall ermöglicht das vorliegende Projekt eine empirisch fundierte Bewertung, inwieweit sich durch die Einführung der MZEB relevante Verbesserungen in der Versorgung für behinderte Menschen ergeben haben. Längerfristig sollen die Erkenntnisse dieses Projekts dazu beitragen, eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung von erwachsenen Menschen mit geistigen oder Mehrfachbehinderungen zu gewährleisten. Das Projekt zielt ebenso darauf, die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zu verbessern.

Weitere Informationen bietet die Website der Universität Bielefeld.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Thorsten Meyer
Dr. Margret Xyländer (stellvertr. Konsortialführung)
Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften Stiftungsprofessur Rehabilitationswissenschaften Rehabilitative Versorgungsforschung
Universitätsstraße 25
33615 Bielefeld
+49 0521 10667606
thorsten.meyer@uni-bielefeld.de

Konsortialpartner

DIAKOVERE Krankenhaus gGmbH Hannover, Krankenhaus Mara gGmbH Bielefeld