DELIVER-CARE – Delegation und Vernetzung bei chronisch-inflammatorischen Erkrankungen

  • Themenfeld: Modelle zur Weiterentwicklung von Versorgungsstrukturen und -prozessen
  • Bundesland: Niedersachsen
  • Status: laufend

Projektbeschreibung

Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen handelt es sich um komplexe Krankheitsbilder mit einem hohen Versorgungsaufwand. Der enorme zeitliche Aufwand für eine optimale Behandlung kann im derzeitigen Versorgungsalltag nicht geleistet werden. Der fehlende oder stark verzögerte Zugang zu einer fachärztlichen Versorgung führt oftmals dazu, dass sich die Prognose und die Lebensqualität verschlechtert. Dieser Problematik ließe sich entgegenwirken, indem mehr ärztliche Tätigkeiten zur Verlaufskontrolle an medizinische Fachangestellte (MFA) delegiert werden könnten.

Ziel des Projekts ist es, ein Modell für die Delegation von ärztlichen Tätigkeiten an MFA bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen zu entwickeln. Die MFA sollen dabei eine eigene strukturierte Sprechstunde durchführen. Sie erheben derzeitige Symptome und die Verträglichkeit der Medikamente und dienen als primäre Ansprechpersonen bei besonderen Vorkommnissen, z. B. bei Medikamentennebenwirkungen. Anschließend werden die Befunde mit dem Patienten und dem Facharzt besprochen. Der Patient erhält so eine effektivere medikamentöse Therapie, individualisierte Aufklärungen und einen schnelleren Zugang zu Fachärzten. Im Rahmen der kontrollierten Studie soll die Effektivität dieser MFA-Sprechstunde geprüft werden. Dafür werden 720 Patienten gleichmäßig auf die Interventions- und Kontrollgruppe verteilt. Die Interventionsgruppe besucht über ein Jahr die MFA-Sprechstunde, während die Kontrollgruppe weiterhin die Regelversorgung erhält. Für drei Krankheitsbereiche (Gastroenterologie, Rheumatologie, Dermatologie) wird geprüft, welchen Einfluss die MFA-Sprechstunde auf die Krankheitsaktivität hat und inwiefern sich patientenbezogene Faktoren wie z. B. Krankheitsbewältigung, Lebensqualität oder die Zufriedenheit verbessern. Darüber hinaus wird auch die Kosten-Effektivität geprüft. Das Projekt wird für vier Jahre mit insgesamt ca. 2,2 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann das Konzept sowohl auf andere Regionen als auch auf andere Krankheitsbilder (z. B. Augenheilkunde) mit fachspezifischer Anpassung übertragen werden.

Ansprechpartner

Dr. Kirsten Hoeper
Klinik für Immunologie und Rheumatologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
+49 511 5326400
hoeper.kirsten@mh-hannover.de

Konsortialpartner

Regionales Kooperatives Rheumazentrum e. V., Leibniz Universität Hannover – Center for Health Economics Research Hannover (CHERH), AOK – Die Gesundheitskasse Niedersachsen, inav – Institut für angewandte Versorgungsforschung GmbH