KOMPASS – Sektorenunabhängige Behandlungskoordination mittels Online-Assessment für Patientinnen und Patienten mit substanzbezogenen Störungen

Projektbeschreibung

In Deutschland leben ca. 1,7 Millionen Menschen mit der Diagnose Alkoholabhängigkeit, weitere 1,5 Millionen Menschen sind von Beruhigungs- oder Schlafmitteln abhängig. 600.000 Menschen leiden an einem problematischen Konsum von Cannabis und anderen illegalen Drogen. Hinzu kommt ein großer Anteil von Personen in der Bevölkerung, die entsprechende Substanzen in riskanter oder missbräuchlicher Weise konsumieren. Lediglich fünf Prozent der behandlungsbedürftigen Menschen erhalten jedoch eine suchtspezifische Therapie.

Die unzureichende Versorgung ist unter anderem auf eine mangelnde Vernetzung und Koordination zwischen den verschiedenen Suchthilfeeinrichtungen sowie auf unklare Strategien für die Empfehlung einer geeigneten Behandlungsoption zurückzuführen. Modellhaft wird für die Stadt Stuttgart eine zentrale Koordinationsstelle etabliert durch die Betroffene bedarfsgerecht den verschiedenen, teilweise spezialisierten Angeboten des Suchthilfesystems, zugeordnet werden. Dazu durchlaufen Betroffene zunächst ein internetbasiertes Screening und bei positivem Befund einen standardisierten Diagnostikprozess im persönlichen Kontakt. Nach Abstimmung mit den individuellen Behandlungszielen der Betroffenen wird abschließend ein konkreter Behandlungsplan erstellt. Zudem werden die Betroffenen bei der Weitervermittlung in die geeigneten Einrichtungen unterstützt.

Im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie wird überprüft, ob eine solche sektorenunabhängige Koordination der Diagnostik und Behandlungszuweisung gegenüber der Standardversorgung zu einer höheren Behandlungszufriedenheit der Betroffenen sowie zu einer Änderung der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen führt. Das Projekt wird für drei Jahre mit ca. 2,2 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann das Projekt dazu beitragen, Betroffenen flächendeckend ein niedrigschwelliges, kostengünstiges und an ihren persönlichen Bedürfnissen orientiertes Angebot für eine verbesserte suchtmedizinische Versorgung bereitzustellen.

Konsortialpartner

Universität Ulm