NeTKoH – Neurologisches TeleKonsil mit Hausärzten zur Stärkung der fachärztlichen Versorgung in Vorpommern

Projektbeschreibung

Die Region Vorpommern zählt zu den strukturschwachen Gebieten in Deutschland und weist einen hohen Bevölkerungsanteil älterer Menschen auf. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an neurologischen Erkrankungen, womit ein hoher Bedarf an einer adäquaten Versorgung einhergeht. In den ländlichen Gebieten stehen jedoch nur sehr wenige Fachärzte zur Verfügung.

NeTKoH wird eine telemedizinische Vernetzung zwischen der Universitätsmedizin Greifswald und rund 40 hausärztlichen Praxen etablieren. Die Hausärzte können während der Sprechstunde direkt auf ein fachärztliches Konsil zurückgreifen und Empfehlungen zur neurologischen Weiterbehandlung nach einem festgelegten und regional abgestimmten Standard erhalten. So kann eine schnellere und wohnortnahe Versorgung in der vertrauten Hausarztpraxis erfolgen.

Es wird eine prospektive Interventionsstudie in einem „Stepped-Wedge Cluster Design“ durchgeführt. Die Intervention erfolgt zu versetzten Zeitpunkten in allen beteiligten Hausarztpraxen, wobei die Daten vor Beginn der Intervention als Kontrolle dienen und mit den beim telemedizinischen Konsil gewonnenen Daten verglichen werden. Die jeweiligen Startzeitpunkte für die Praxen werden randomisiert vergeben. Die Studie schließt etwa 2.000 Patientinnen und Patienten über 18 Jahre ein, die bei der AOK Nordost versichert sind und für die ein neurologisches Konsil als notwendig erachtet wird. Verglichen werden unter anderem die Zeit, die bis zur Einleitung einer spezifischen Diagnostik vergeht sowie Anzahl und Länge nachfolgender Krankenhausaufenthalte. Das Projekt wird für vier Jahre mit ca. 5,2 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann die neue Versorgungsform dazu beitragen, nicht notwendige Untersuchungen zu vermeiden und die Diagnosestellung – und damit den Beginn einer zielführenden Therapie – für Menschen mit neurologischen Beschwerden zu beschleunigen. Eine somit verbesserte Steuerung im Sinne standardisierter Behandlungspfade könnte auf andere ländliche und strukturschwache Regionen übertragen und weitere Erkrankungen ausgeweitet werden.

Konsortialpartner

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse, Charité – Universitätsmedizin Berlin, MEYTEC GmbH Informationssysteme, Universitätsmedizin Greifswald