POET Pain – Prävention operationsbedingter anhaltender Schmerzen durch Einführung eines perioperativen „Transitional Pain Service"

Projektbeschreibung

In Deutschland wurden im Jahr 2017 mehr als 7 Millionen Patienten stationär operiert. Akute Schmerzen nach Operationen sind ein bekanntes Problem. Weniger Aufmerksamkeit erhalten bisher chronische postoperative Schmerzen – obwohl man weiß, dass diese nach bestimmten Operationen häufig auftreten, etwa bei großen Operationen am Brustkorb oder im Bauchraum. Neben der Art der Operation beeinflussen auch Begleiterkrankungen sowie psychosoziale Faktoren die Entwicklung postoperativer chronischer Schmerzen. Allerdings finden derzeit in der klinischen Praxis weder eine systematische Identifizierung solcher Risikopatienten statt, noch der Versuch, in den Prozess der Schmerzchronifizierung präventiv einzugreifen.

Hier setzt das Projekt POET Pain an. Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Pflegekräften soll die Patienten vor einer geplanten Risiko-Operation untersuchen und die Wahrscheinlichkeit einer postoperativen Schmerzchronifizierung einschätzen. Auf dieser Basis erstellt das Team einen individuellen und modularen Behandlungsplan für die stationäre Versorgung der Risiko-Patienten. Diese werden nach der Operation psychologisch betreut und sollen Selbstkontroll- und Problemlösungsstrategien gegen den Schmerz entwickeln. Zudem werden den Patienten ein individuell abgestimmtes Physiotherapieprogramm und ein Pflegemodul angeboten. Der Arzt, der die schmerztherapeutische Versorgung des Patienten in der Klinik koordiniert, steht für Fragen bezüglich der schmerztherapeutischen Nachbehandlung nach der Entlassung aus der stationären Behandlung noch für ein halbes Jahr zur Verfügung. Zusätzlich unterstützt eine eHealthCare-App die Patienten bei der Durchführung aller Teilmodule ihrer Nachbehandlung.

Um den Erfolg der neuen Versorgungsform zu beurteilen, wird eine randomisiert kontrollierte Studie an sechs Universitätskliniken durchgeführt. Die Ergebnisse der Therapiegruppe werden mit den Resultaten aus zwei Kontrollgruppen verglichen, bei denen die Patienten eine herkömmliche Versorgung erhalten. Eine Kontrollgruppe besteht aus Patienten mit einem erhöhten Chronifizierungsrisiko und die zweite Kontrollgruppe aus Patienten ohne ein erhöhtes Chronifizierungsrisiko. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 7,1 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann die Chronifizierung von Schmerzen nach großen operativen Eingriffen vermindert werden. Die neue Versorgungsform könnte Teil der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen werden. Dadurch ließen sich die Gesundheitskosten senken, die durch häufigere Arztbesuche und notwendige Schmerzmedikation sowie durch assoziierte Kosten – beispielsweise häufigere Arbeitsunfähigkeit – entstehen würden.

Konsortialpartner

BARMER, Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH, Georg-August-Universität Göttingen, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, IKK classic, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Würzburg, Universitätsmedizin Greifswald,Westfälische Wilhelms-Universität Münster