EvAb-Pilot – Entwicklung, Pilotierung und Evaluation eines evidenzbasierten Aufklärungsbogens zum Thema Knie TEP

Projektbeschreibung

Jede Patientin und jeder Patient muss vor der Einwilligung zu einem medizinischen Eingriff angemessen aufgeklärt werden. Dies ist nicht nur aus ethischer Sicht geboten, sondern auch im Patientenrechtegesetz gesetzlich verankert. So sollen Patientinnen und Patienten die Chancen auf Erfolg und Misserfolg sowie Risiken des Eingriffs einschätzen können. Im ärztlichen Aufklärungsgespräch werden Aufklärungsbögen genutzt, die das Gespräch unterstützen und die Einwilligung zum Eingriff dokumentieren.

Untersuchungen zeigen, dass die in Deutschland verwendeten Aufklärungsbögen sehr unterschiedlich sind. In dieser Studie soll beispielhaft die Auswirkung sogenannter evidenzbasierter Aufklärungsbögen im Operations- und Anästhesieaufklärungsgespräch untersucht werden. Evidenzbasierte Aufklärungsbögen beinhalten die zurzeit bestverfügbaren Erkenntnisse der Wissenschaft, die zudem laienverständlich präsentiert werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Aufklärungsbögen führen sie scheinbar zu einer besseren Risikoeinschätzung der Patientinnen und Patienten und verringern die Angst vor Komplikationen und das Auftreten von Nebenwirkungen (Nocebo-Effekt).

Zum Vergleich der evidenzbasierten Operations- und Anästhesie-Aufklärungsbögen mit den Standard-Aufklärungsbögen wird eine Vorher/Nachher-Pilotstudie durchgeführt. Es werden ca. 220 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die zum Aufklärungsgespräch über den operativen Eingriff zum Kniegelenkersatz ins Krankenhaus kommen. Sie werden zunächst zu Wissen über Risiko, Ängste und Zufriedenheit mit der Aufklärung befragt. Zur Erfassung des Nocebo-Effektes werden die Teilnehmenden drei Tage nach Krankenhausentlassung telefonisch kontaktiert. Die Lebensqualität wird einen Monat nach der Operation telefonisch abgefragt. Die begleitende rechtliche Analyse stellt sicher, dass den gesetzlichen Anforderungen an die Aufklärung im Patientenrechtegesetz entsprochen wird und berücksichtigt auch die medizinrechtliche Rechtsprechung zur Frage eines Schadensersatzes.

Das Projekt wird für 35 Monate mit insgesamt ca. 700.000 Euro gefördert.

Die Studie wird unter Alltagsbedingungen der Krankenhausversorgung durchgeführt. Im Erfolgsfall könnten ihre Ergebnisse auf weitere evidenzbasierte Aufklärungsbögen für andere Indikationen übertragen werden und zu einer nachhaltigen Verbesserung der Patientenaufklärung über Operationsrisiken im Krankenhaus beitragen.

Konsortialpartner

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg