EVASelektiv – Evaluation des Selektivvertrages zur Integrierten Versorgung von Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz nach §§ 140 a ff. SGB V (Altfassung)

Projektbeschreibung

Nierenerkrankungen betreffen in Deutschland etwa 10 Prozent der Menschen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren. Häufig macht sich die Erkrankung lange nicht bemerkbar und wird dadurch erst spät erkannt. Die Störung der Nierenfunktion kann dann bereits so weit fortgeschritten sein, dass eine Nierenersatztherapie (z. B. eine Dialyse) erforderlich ist. Früherkennungsmaßnahmen (insbesondere bei Risikogruppen, z. B. Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes) und eine strukturierte Behandlung zur Verzögerung des Fortschreitens der Erkrankung werden in der Regelversorgung bisher nicht konsequent umgesetzt.

Hier setzt der Vertrag zur integrierten Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz an. Er umfasst ein Screening der Risikogruppen, durch das Hausärztinnen und Hausärzte Nierenfunktionsstörungen frühzeitig erkennen sollen. Zudem setzt der Vertrag ein strukturiertes und fachübergreifendes Behandlungsprogramm um, welches das Fortschreiten der Erkrankung verzögern soll.

Das Projekt EVASelektiv untersucht, ob die Maßnahmen des Vertrags die Früherkennung und Behandlung von niereninsuffizienten Patientinnen und Patienten in der Praxis verbessern. Hierzu vergleichen die Forschenden Routinedaten von den am Vertrag teilnehmenden Versicherten (AOK Sachsen-Anhalt) mit den Routinedaten von Versicherten eines Nicht-Vertragspartners (AOK Nordost). Darüber hinaus werden Patientendaten zum Krankheitsverlauf aus den behandelnden Praxen herangezogen und Medikationen analysiert. Auch die Meinungen der Ärztinnen und Ärzte zur organisatorischen Umsetzung des Vertrages und zu seinem Einfluss auf die Behandlungsqualität werden im Projekt erhoben. Die klinisch-epidemiologischen und gesundheitsökonomischen Effekte des Konzeptes untersuchen die Forscherinnen und Forscher der Universitätskliniken Halle und Magdeburg anhand eines Simulationsmodells.

EVASelektiv wird für zwei Jahre mit insgesamt ca. 719.000 Euro gefördert.

Im Erfolgsfall liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse darüber, ob das Versorgungsprogramm auf andere Regionen übertragen oder gar in die Regelversorgung übernommen werden kann. Denkbar wäre dies in Form eines Disease-Management-Programms (DMP) nach § 137f SGB V.

Konsortialpartner

AOK-Bundesverband GbR; AOK Nordost - Die Gesundheitskasse; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg