Guide2Guide – „Living Guidelines“ in der Psychiatrie: Chancen und Herausforderungen der Implementierung eines dynamischen Aktualisierungskonzeptes

Projektbeschreibung

Um Diagnosen nach aktuellstem wissenschaftlichem Stand zu stellen und Krankheiten entsprechend behandeln zu können, braucht es medizinische Leitlinien – systematisch entwickelte Feststellungen, die eben diesen Stand widerspiegeln. Diese Leitlinien tragen dazu bei, Therapeutinnen und Therapeuten, Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige in ihren jeweiligen Entscheidungsfindungen zu unterstützen. Derzeit wird der Inhalt dieser Leitlinien regelmäßig alle drei bis fünf Jahre überarbeitet und aktualisiert. In der Versorgungspraxis ist dies oft eine zu lange Zeit, denn der medizinische Wissensstand verändert sich in manchen Fragestellungen so dynamisch, dass einige Leitlinienempfehlungen schneller veralten als andere.

Das Projekt Guide2Guide setzt an dieser Überarbeitungsdauer an: Die Forschenden wollen im Bereich der psychischen Erkrankungen ein neues Vorgehen zur Leitlinienerstellung und -aktualisierung entwickeln. So könnten Therapeutinnen und Therapeuten, Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige zügiger auf neueste Erkenntnisse zurückgreifen.

Methodisch wird im Rahmen von Guide2Guide eine systematische Literaturrecherche und Expertenbefragung durchgeführt, um eine Bestandsaufnahme zu alternativen Methoden im Vergleich zur regulären Leitlinienerstellung zu erforschen. Zeitgleich werden Entwickler von Leitlinien zu Anforderungen an die neuen Methoden befragt. Zudem wird der Informationsbedarf von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen ermittelt. Hiervon erwarten die Forschenden Erkenntnisse, wie sich die Gesundheitskompetenz und Partizipation der Betroffenen durch eine auch Laien verständliche Formulierung der Leitlinien stärken lässt. Das Projekt wird für 18 Monate mit insgesamt ca. 691.000 Euro gefördert.

Der von ihnen entwickelte Arbeitsprozess, so hoffen die Forschenden, kann zu einer dynamischeren Aktualisierung von Leitlinien zu psychischen Erkrankungen beitragen sowie zu einer besseren Berücksichtigung neuer Erkenntnisse. Die gewonnenen Ergebnisse können auch auf die Leitlinienerstellung in anderen medizinischen Fachgebieten übertragen werden.

Konsortialpartner

Universität Leipzig, Universität zu Köln