HoT – Home treatment bei kindlicher und jugendlicher Anorexia nervosa (Pubertätsmagersucht)

Projektbeschreibung

Pubertätsmagersucht, in der Fachsprache Anorexia nervosa genannt, ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Jugendalters. Sie ist die psychische Störung mit der höchsten Sterblichkeitsrate und wird von der WHO zu den vier wichtigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen mit „lebenslangen Konsequenzen“ gezählt.

Aufbauend auf ersten positiven Ergebnissen einer Pilotstudie folgt das Projekt „HoT“ einem Step-Down-Behandlungsansatz. Jugendliche Patientinnen und Patienten werden nach spätestens acht Wochen aus der stationären Behandlung entlassen und in eine viermonatige stationsersetzende Behandlung zuhause (Home treatment) überführt. Ein multiprofessionelles Team aus Psychologinnen und Psychologen, Ärztinnen und Ärzten, Fachtherapeutinnen und Fachtherapeuten, Mitarbeitende des Pflegedienstes und Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberatern behandelt die Patientinnen und Patienten drei- bis viermal wöchentlich intensiv zuhause zusammen mit ihren Bezugspersonen.

Aus der Pilotstudie geht hervor, dass eine Verbesserung der Behandlungszufriedenheit, eine Kompetenzsteigerung der Patientinnen und Patienten und ihrer Angehörigen sowie eine höhere Therapieeffizienz bei besserer Wirtschaftlichkeit im Vergleich zur Regelversorgung erreicht werden kann. Die aktuelle Studie soll diese Ergebnisse durch eine vergleichende Studie mit deutlich mehr Patientinnen und Patienten bestätigen. Um den Erfolg des Home treatments zu beurteilen, werden u. a. die Gewichtsstabilisierung, die Lebensqualität und die Rückfallquote der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen mit einer Kontrollgruppe verglichen, die an der normalen Regelversorgung teilnimmt. Es erfolgt eine vergleichende ökonomische Analyse der Kontroll- und Home treatment-Gruppe. Zudem wird die Übertragbarkeit der Maßnahme auf weitere Versorgungskliniken in ganz NRW untersucht. Das Projekt wird für vier Jahre mit insgesamt ca. 1,9 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann das Projekt den Nachweis erbringen, dass das Home treatment, der aktuellen Standardtherapie aus stationärer und teilstationärer Behandlung in Bezug auf Heilungserfolg und Lebensqualität überlegen ist und in die Regelversorgung übernommen werden kann. Die Forschenden verbinden damit die Hoffnung, dass die Erkenntnisse die Behandlung und die Prognose der jugendlichen Patientinnen und Patienten mit Magersucht verbessen und als Grundlage für strukturelle Veränderungen in der Gesundheitsversorgung dieser Patientinnen und Patienten dienen können.

Konsortialpartner

AOK Rheinland/Hamburg - Die Gesundheitskasse, Christian-Albrecht-Universität zu Kiel, DAK-Gesundheit, IKK classic, LVR-Klinik Bonn, LVR-Klinik Viersen, LWL-Universitätsklinikum Hamm, Techniker Krankenkasse, Universitätsklinikum Münster