IVZ S3 – Implementierung der S3 Leitlinie Verhinderung von Zwang

Projektbeschreibung

Der Umgang mit aggressivem Verhalten von psychisch Erkrankten ist auch in Krankenhäusern ein besonderes Problem. In der Kritik stehen beispielsweise immer wieder die Fixierung und Zwangsmedikation gegen den Willen der Patientinnen und Patienten. 2018 wurde deshalb die Leitlinie „Vermeidung von Zwang: Prävention und Therapie aggressiven Verhaltens“ veröffentlicht. Um die Leitlinie konkret auf psychiatrischen Stationen umzusetzen und diese Umsetzung auch messbar zu machen, wurde ein Zwölf-Punkte-Programm entwickelt. Zum Beispiel sollen alle Beschäftigten mit Patientenkontakt regelmäßig in Deeskalationstrainings geschult werden, gemeinsame Behandlungsvereinbarungen für künftige Krisensituationen sollen mit den Patienten abgeschlossen werden und ehemalige Patienten („Peers“) sollen dort zur Verbesserung der Kommunikation beschäftigt werden. Dieses Programm soll jetzt in 52 psychiatrischen Stationen, die unfreiwillig behandelte Patienten versorgen, umgesetzt werden. Anschließend sollen die Effekte im Hinblick auf die Reduzierung von Zwangsmaßnahmen und aggressiven Übergriffen bewertet werden. Dazu wird das Programm auf 26 Stationen eingeführt. Weitere 26 Stationen dienen als Kontrolle, hier werden die Patientinnen und Patienten wie bisher behandelt. Gemessen wird, wie sich die Anzahl der Zwangsmaßnahmen und der aggressiven Übergriffe (pro Bett und Jahr) bei den beteiligten Stationen verändert und in welchem Maß dies mit der Umsetzung des Programms zusammenhängt. Dabei müssen andere Unterschiede zwischen den Stationen rechnerisch kontrolliert werden, z. B. die Größe und personelle Ausstattung der Station. Nach einem Jahr wird das Programm dann auch in den Kontrollstationen eingeführt. Diese werden dann in einer zweiten Analyse mit sich selbst vor Beginn der Maßnahme verglichen. Es besteht die Hoffnung, dass durch die Umsetzung der Leitlinie die Anzahl der Zwangsmaßnahmen und der aggressiven Vorfälle abnimmt. Zudem erhofft man sich, dass die besonders wirkungsvollen aus der Liste der zwölf Maßnahmen identifiziert werden können.

Das Projekt wird für drei Jahre mit ca. 900.000 Euro gefördert.

Bei erfolgreicher Durchführung des Projekts hätte Deutschland einen international vorbildlichen Stand in der Versorgung besonders schwer psychisch erkrankter Menschen erreicht.

Konsortialpartner

Charité - Universitätsmedizin Berlin; Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH