MEDI-DIGITAL – Medizinische Beschwerden vom Erstauftreten bis zur fachärztlichen Versorgung im Kontext digitaler Medien und der Arzt-Patienten-Beziehung

Projektbeschreibung

Täglich suchen Menschen nach einer Antwort auf ihre gesundheitlichen Beschwerden - vom Auftreten der ersten Symptome bis hin zu einem Kontakt mit dem Mediziner. Über die Diagnose und Behandlung bis zu Kontroll- und Folgebehandlungen durchlaufen sie einen individuellen und selten linearen Weg durch das Gesundheitssystem. Dieser Weg, in der Fachsprache auch „Patient Journey“ genannt, wird sich im Zuge der Digitalisierung der medizinischen Versorgung verändern; zugleich aber fehlt es an wissenschaftlichen Evaluationen zur konkreten Nutzung digitaler Werkzeuge und Angebote und ihrer Auswirkungen auf die „Patient Journey“.

Hier setzt das Projekt MEDI-DIGITAL an. Die Forschenden gehen davon aus, dass sich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient mit der Nutzung digitaler Angebote verändern wird; Patientinnen und Patienten von eher „passiven Leistungsempfängern“ immer stärker zu „aktiven Wegbereitern“ werden. Ob digitale Werkzeuge gezielt zur Optimierung einer flächendeckenden fachärztlichen medizinischen Versorgung eingesetzt werden können, soll bei MEDI-DIGITAL beispielhaft an der Fachrichtung Dermatologie und Allergologie aufgezeigt werden.

Hautkrankheiten können mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Schweregraden einhergehen, vom unkomplizierten einmaligen Ekzem bis hin zum tödlich verlaufenden malignen Melanom. Dies ermöglicht es den Forschenden unterschiedliche Settings zu untersuchen.

Dabei sollen in qualitativen Interviews zunächst für die Betroffenen relevante und genutzte digitale Angebote identifiziert werden, bevor die breite Nutzung dieser Angebote in einer quantitativen Auswertung differenzierter untersucht wird. Deutschlandweit schließen die Forschenden 190 Dermatologen mit 1.900 Patientinnen und Patienten sowie 5.000 Menschen aus ländlichen Regionen in ihre Untersuchung ein. So soll aufgezeigt werden, welche Rolle digitale Angebote für eine frühzeitigere oder verzögerte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen spielen und ob sie die fachärztliche Versorgung in Deutschland be- oder entlasten. Das Projekt wird für zwei Jahre mit insgesamt ca. 300.000 Euro gefördert.

Im Erfolgsfall werden die Ergebnisse als Grundlage für künftige (politische) Entscheidungen hinsichtlich des Ausbaus oder der gezielten Ausrichtung von digitalen Angeboten dienen, um eine ressourcenoptimierte, flächendeckende medizinische Versorgung zu ermöglichen. Daneben soll die Studie die Arzt-Patienten-Beziehung im digitalen Kontext untersuchen sowie möglicherweise negative Veränderungen aufzeigen, um einer solchen Entwicklung begegnen zu können.