SISYPHOS – Strukturierte Implementierung digitaler, systematisch aktualisierter Leitlinienempfehlungen zur optimierten Therapeutenadhärenz bei Schizophrenie

Projektbeschreibung

Etwa einer von hundert Deutschen erkrankt einmal in seinem Leben an Schizophrenie. Diese ist eine der schwersten psychischen Erkrankungen und geht bei den Betroffenen mit einer im Vergleich zur nicht-erkrankten Bevölkerung um etwa 15 Jahre verkürzten Lebenserwartung einher. Um die medizinische Versorgung in Deutschland zu verbessern, trieb die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften die Entwicklung von Leitlinien zur Wissensvermittlung als Instrument der evidenzbasierten Medizin voran und koordinierte diese. Inzwischen liegen zwar zahlreiche methodisch hochwertige Leitlinien vor, doch werden diese in der Versorgungspraxis oft nicht ausreichend umgesetzt. Aufgrund des rapide anwachsenden medizinischen Wissens sind die Leitlinien teilweise zudem schon zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung nicht mehr aktuell.

Das Projekt SISYPHOS will dem entgegenwirken. Künftig sollen die Leitlinien deshalb als „lebendige“ Richtschnur (Living Guideline) konzipiert werden und jeweils den aktuellen evidenzbasierten Wissensstand widerspiegeln. Hierzu entwickeln die Forschenden bei SISYPHOS ein entsprechendes Procedere und setzen dieses in einem Pilotprojekt mit anschließender Evaluierung um. Dabei wird auch untersucht, welche Faktoren die Anwendung der Leitlinie fördern oder hemmen, und ob eine App-basierte, digitale Bereitstellung der Leitlinie inklusive Entscheidungshilfen der gedruckten Form überlegen ist. Dieses digitale Werkzeug trägt die Bezeichnung Evidenz-Eco-System MAGICapp. In einer Beobachtungsstudie wird zunächst untersucht, warum aktuelle Leitlinien nur unzureichend umgesetzt werden; dafür werden Betroffene sowie behandelnde Ärztinnen und Ärzte und (inter)nationale Expertinnen und Experten befragt. Zusätzlich wird untersucht, ob die Leitlinienimplementierung mittels App zu einer besseren Anwendung im Vergleich zu konventionellen Implementierungsmethoden führt. Das Projekt wird für 18 Monate mit insgesamt ca. 750.000 Euro gefördert.

Im Erfolgsfall können die Ergebnisse aus SISYPHOS direkt für eine Aktualisierung der deutschen S3-Leitlinie Schizophrenie herangezogen werden. Indem die Leitlinie als „Living Guideline“ verfügbar sein wird, wird auch das evidenzbasierte Wissen zur Behandlung von Menschen mit einer Schizophrenie jederzeit und ohne die bisher übliche mehrjährige Verzögerung verfügbar sein.

Konsortialpartner

Klinikum der Ludwigs-Maximilians-Universität, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, LVR-Klinikum Düsseldorf