FindHIV – Frühzeitige Identifikation mittels normierter Diagnosekriterien für die HIV-Infektion

Projektbeschreibung

In Deutschland sind ca. 84.000 Menschen mit HIV/AIDS infiziert. Eine frühzeitige Diagnose und ein entsprechender Therapiebeginn können zu einer weitgehenden Kontrolle der Infektion mit geringen Einschränkungen und einer guten Integration in den Alltag führen. Trotz des gestiegenen Wissens über HIV/AIDS wird jedoch bei einigen Betroffenen die Infektion erst sehr spät diagnostiziert. Diese Personen werden als Late Presenter bezeichnet. Ihr Anteil an den Patienten, die sich erstmalig in der ambulanten HIV-Schwerpunktversorgung vorstellen, liegt bei fast 46 Prozent. Die späte Diagnose bedingt eine erhöhte Krankheitslast bis hin zu Todesfällen sowie eine größere Gefahr, weitere Personen anzustecken. Ferner werden durch das dann fortgeschrittene Krankheitsstadium Therapieoptionen schwieriger und zugleich kostenintensiver. Die späte Diagnosestellung weist auf Versorgungsdefizite in der Diagnostik hin.

Das Projekt FindHIV untersucht, welche besonderen Merkmale der Late Presenter dazu führen, dass die Infektion erst verzögert entdeckt wird. Mit welchen Symptomen und Erkrankungen werden diese Patientinnen und Patienten vorstellig? An welche Stellen im Gesundheitssystem wenden sie sich (Facharzt, ambulanter oder stationärer Sektor etc.) bevor eine Diagnosestellung erfolgt?

Diese Fragen sollen im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie beantwortet werden. Dazu werden deutschlandweit in über 25 HIV-Schwerpunktpraxen und Kliniken, Daten von mindestens 690 Patientinnen und Patienten gesammelt. Auf Basis der erhobenen Daten soll ein Klassifikationssystem (Scoringsystem) zur Frühdiagnose entwickelt werden. Daraus werden Handlungsempfehlungen abgeleitet mit dem Ziel, die Frühdiagnose von Late Presentern in der klinischen Praxis zu fördern. Das Projekt wird für 42 Monate mit insgesamt ca. 966.000 Euro gefördert.

Im Erfolgsfall steht ein Scoringsystem in Form eines einfachen Fragebogens zur Verfügung sowie Handlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzte, den öffentlichen Gesundheitsdienst und die Selbsthilfe.

Konsortialpartner

Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e.V. (dagnä); MUC Research GmbH; Clinovate NET GmbH & Co. KG