PARTNER – Interprofessioneller Behandlungspfad zum PAtientenzentRierTeN dEpRescribing potentiell inadäquater Medikation bei älteren Patienten mit Multimedikation

Projektbeschreibung

Müssen Menschen gleichzeitig fünf oder mehr Arzneimittel einnehmen, steigt damit das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Laut einer Studie von 2018 der Universitätskliniken Ulm, Fürth, Bonn und Stuttgart konnten z. B. 6,5 Prozent aller Fälle in Notaufnahmen darauf zurückgeführt werden. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, die über lange Zeit Arzneimittel einnehmen, die angstlösend und beruhigend, schlaffördernd und muskelentspannend wirken, also z. B. Hypnotika oder Opioide. In der Medizin sind diese unerwünschten Arzneimittelwirkungen bekannt, doch lässt der weiterhin verbreitete Einsatz bei älteren Menschen darauf schließen, dass eine Sensibilisierung für das Thema allein nicht ausreicht.

Das Projekt PARTNER möchte dazu beitragen, eine Fehl- und Überversorgung mit den genannten Arzneimitteln zu reduzieren. Eine Absetzung der Wirkstoffe bzw. Umstellung auf eine geringere Dosierung (Deprescribing) ist oft zeitaufwändig und erfordert Umsetzungshilfen für Hausarztpraxen, Apotheken sowie für die Betroffenen selbst.

Entsprechend sieht das Projekt einen Behandlungspfad vor, der eine zusätzliche Fortbildung und die vertiefte Kooperation von Hausarztpraxen und Apotheken in Form eines Workshops mit Fallkonferenzen umfasst. Zudem erhalten Betroffene eine Broschüre zum Deprescribing, die sie zunächst mit ihrem Apotheker besprechen. Darauf aufbauend treffen Hausarzt und Patient gemeinsam eine Entscheidung über das Deprescribing. Wirksamkeit, Kosten, Nutzen und Zweckmäßigkeit der Maßnahme werden in zwei Gruppen mit jeweils 176 Patienten überprüft, wobei die Kontrollgruppe nur allgemein über Arzneimittelrisiken aufgeklärt wird. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 2,05 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall zeigt das Vorhaben auf, ob die Übernahme der Maßnahme in die Regelversorgung wirksam, effizient und zweckmäßig ist und wie die Zusammenarbeit von Hausarztpraxen und Apotheken aussehen sollte, um das Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen langfristig zu senken.

Konsortialpartner

aQua - Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH, Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Techniker Krankenkasse, Universität Bielefeld, Universitätsklinikum Heidelberg, Universitätsklinikum Regensburg