SSV-Update – Leitlinien-Update: Störungen des Sozialverhaltens für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Projektbeschreibung

Störungen des Sozialverhaltens zählen zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter und in dieser Altersgruppe auch zu den häufigsten Anlässen medizinischen Rat zu suchen. Aktuell erhält in Deutschland jedoch nur ein Viertel der Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren, die als psychisch auffällig einzustufen sind, eine adäquate diagnostische Abklärung und Behandlung.

Ziel des Projekts ist die Weiterentwicklung und Aktualisierung der S3-Behandlungsleitlinie zu Störungen des Sozialverhaltens als „Living Guideline“ unter Berücksichtigung alters- und geschlechtsspezifischer Besonderheiten. Dabei sollen sich die Empfehlungen nicht nur auf den engeren medizinischen und psychotherapeutischen Sektor beziehen (Gesundheitssystem), sondern auch den Bereich der Pädagogik (Bildungssystem), der Jugendhilfe (Jugendhilfesystem) sowie der Jugendgerichtshilfe (Justizsystem) einschließen.

Zunächst soll die S3-Leitlinie auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche aktualisiert werden. Ihre Empfehlungen bringen die Projektbeteiligten in einem wissenschaftlichen Beirat unter Einbeziehung aller relevanten Fachverbände ein, der in einer Konsensentscheidung darüber befindet. Anschließend sollen zielgruppenspezifische Informationen für die Betroffenen und ihren Eltern, für pädagogische Fachkräfte sowie für Mitarbeitende von Jugendhilfe und Jugendgerichtshilfe entwickelt werden. Die allgemeinen Leitlinienempfehlungen und zielgruppenspezifischen Informationen werden den Anwendergruppen vorgelegt, um ihre Akzeptanz bewerten zu können. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 452.000 Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann die aktualisierte Leitlinie zu einer differenzierteren und zielgruppenspezifischen Diagnostik und Therapie von Störungen des Sozialverhaltens führen. Die Leitlinienempfehlungen können auch für die Definition von Qualitätsindikatoren sowohl für die Diagnostik und Verlaufskontrolle als auch für die durchgeführten Therapiemaßnahmen herangezogen werden.