EXPERT – Extremitätenboards zur Prozessoptimierung, Evaluation, Risikominimierung und Therapieoptimierung bei Frakturen mit Weichteilschäden oder post-operativer Infektion der unteren Extremitäten im Traumanetzwerk

Projektbeschreibung

Die moderne Medizin in Deutschland ermöglicht durch die hohe Spezialisierung in den einzelnen Fachdisziplinen eine Versorgung auf höchstem Niveau. Besteht jedoch bei Patienten die Notwendigkeit einer interdisziplinären Abstimmung in Diagnostik und Therapie, so zeigt sich ein großes Defizit in der strukturierten Vernetzung der einzelnen Disziplinen. Noch deutlicher zeigt sich die mangelnde Bereitstellung dieser summativen Expertise für Krankenhäuser, welche nicht sämtliche Fachdisziplinen vorhalten können. Durch diese mangelnde Vernetzung und Bereitstellung entstehen vermeidbare Kosten, die sich dank schneller und effizienter interdisziplinärer Therapieentscheidungen senken lassen.

Hier setzt das Projekt EXPERT an, welches einen telemedizinischen Zugang zu einem simultanen interdisziplinären Expertenforum eröffnet. Dieses Forum soll eine beschleunigte und interdisziplinäre Therapieempfehlung und einen zeitigen Therapiebeginn ermöglichen. Des Weiteren sollen unnötige Untersuchungen und Therapien vermieden und standardisierte diagnostische Pfade etabliert werden. Die Expertinnen und Experten des Extremitätenboards kommen aus verschiedenen Fachgebieten im universitären Umfeld und verfügen über spezifisches Wissen und Erfahrung in der Behandlung schwieriger und seltener Fälle von Frakturen mit offenem Weichteilschaden oder postoperativen Komplikationen.

Die Projektbeteiligten untersuchen im Stepped-Wedge-Design, ob die Komplikationsrate in der Behandlung von offenen Frakturen und postoperativen Komplikationen prozentual gesenkt werden kann. Anhand von 2.692 Patienten, aufgeteilt in vier Wechselkohorten, wird untersucht, ob Parameter wie die Dauer der Behandlung, Doppeluntersuchungen, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sowie die Kosten der stationären Versorgung verbessert werden können.

Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 6,9 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann die Einrichtung eines solchen Extremitätenboards zu einer beschleunigten interdisziplinären Therapieempfehlung an Krankenhäusern sämtlicher Versorgungsstufen führen. Eine Ausweitung auf das Gesundheitssystem könnte durch bereits etablierte Netzwerkstrukturen in der Schwerstverletzten-Versorgung (Traumanetzwerk DGUâ) unterstützt werden.

Konsortialpartner

AOK Nordwest - Die Gesundheitskasse, BARMER, Fachklinik Hornheide e. V., OFFIS e. V., Steinbeis Hochschule Träger gGmbH, Techniker Krankenkasse, Universität Bielefeld