SGB REHA – Sektorenübergreifende gerontopsychiatrische Behandlung und Rehabilitation in Pflegeheimen

Projektbeschreibung

Aktuell sind in Deutschland circa 2,4 Millionen Menschen auf Pflege und Unterstützung angewiesen; aufgrund der demographischen Entwicklung ist damit zu rechnen, dass bis 2030 circa 3,4 Millionen Menschen pflegebedürftig sein werden. Insbesondere nach Krankenhausaufenthalten ist das Risiko einer dauerhaften stationären Pflegeversorgung hoch. Bekannt ist: ein langfristiger Verbleib in der stationären Pflege geht mit einer Zunahme der körperlichen Morbidität, einer Zunahme depressiver Erkrankungen und einer Verminderung der Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen einher – Umstände, die auch das Gesundheitssystem belasten.

Ziel des Projekts ist die Etablierung eines sektorenübergreifenden multiprofessionellen, Rehabilitationskonzepts für Menschen in der stationären Altenhilfe. Kernelemente des Konzepts sind u. a. die individuelle Planung und Überprüfung von Rehabilitationsmaßnahmen, das therapeutische Handeln der Pflegekräfte, Schulungen für Mitarbeitende und pflegebedürftige Patientinnen und Patienten sowie ein erweitertes Therapieangebot. Grundlage ist das interdisziplinäre Handeln von Pflege, Medizin, Pharmakologie, Therapien und Sozialpädagogik. Diese Maßnahmen sollen Alltagsfertigkeiten, kognitive Leistungsfähigkeit sowie die Lebensqualität der Pflegebedürftigen stärken. Ihnen soll eine Rückkehr in die eigene Häuslichkeit ermöglicht werden. Weitere Ziele sind die Verringerung des Einsatzes von Arzneimitteln, der Anzahl erneut erforderlicher Krankenhausaufenthalte und der Behandlungskosten.

In einer randomisierten, kontrollierten Studie im Stepped-Wedge-Design soll die stufenweise Einführung der neuen Versorgungsform in zwölf Pflegeeinrichtungen bei Pflegebedürftigen über 65 Jahren überprüft werden. Die Wirksamkeit der Intervention wird nach sechs Monaten jeweils im Vergleich zur vorherigen gleichlangen Kontrollphase untersucht. Neben den quantitativen Erhebungen zur Wirksamkeit erfolgen zudem eine gesundheitsökonomische Auswertung und eine qualitative Bewertung der Wirksamkeit aus Betroffenenperspektive und des Interventionsprozesses mittels Interviews und Beobachtungen. Das Projekt wird für vier Jahre mit insgesamt ca. 5,6 Millionen Euro gefördert.

Das Versorgungskonzept wird sowohl im ländlichen als auch im städtischen Umfeld erprobt; im Erfolgsfall kann es deutschlandweit übertragen werden.

Konsortialpartner

Deutsche Akademie für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e. V., Evangelische Altenhilfe Mülheim gGmbH, Medizinische Hochschule Brandenburg CAMPUS GmbH, Universität Potsdam