Hämaturie-Kind – Abklärung der Mikro-Hämaturie bei Kindern und jungen Erwachsenen zur Früherkennung von Nierenerkrankungen

Projektbeschreibung

Kinder mit chronischen Nierenerkrankungen haben eine reduzierte Lebenserwartung sowie ein hohes Risiko, im späteren Leben eine Nierenersatztherapie zu benötigen. Nierenerkrankungen bei Kindern sind jedoch selten und werden daher oft zu spät erkannt. Das Frühwarnzeichen für Nierenerkrankungen ist nicht sichtbares Blut im Urin, die sogenannte Mikro-Hämaturie. Mit 48 Monaten wird daher bei allen Kindern in Deutschland im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung (U 8) ein Mikro-Hämaturie-Screening vorgenommen. Die Herausforderung für Kinderärztinnen und Kinderärzte liegt nach auffälligem Screening darin, das Kind mit Nierenschädigung zuverlässig zu identifizieren, ohne Kind und Eltern unnötig zu verunsichern oder durch unnötige Untersuchungen zu belasten. Mangels unterstützender Leitlinie führt der Befund „Mikro-Hämaturie“ oft nicht zur evidenzbasieren Abklärung. Damit wird die Chance vertan, das Nierenversagen durch eine frühe Diagnose und Therapie um Jahrzehnte heraus zu zögern oder sogar zu verhindern.

Ziel des Projekts ist daher die Entwicklung einer S3-Leitlinie für die frühzeitige Abklärung der Mikro-Hämaturie bei Kindern und jungen Erwachsenen zur Früherkennung von Nierenerkrankungen. Zunächst wird sich ein wissenschaftlicher Beirat konstituieren, mit dessen Hilfe die Leitlinie erarbeitet werden soll. Mit Blick auf Evidenz und Relevanz werden die Projektverantwortlichen eine systematische Untersuchung der wissenschaftlichen Literatur vornehmen und ihre Empfehlungen unter Einbindung von Patientinnen- und Patienten-Vertretern (Selbsthilfegruppe) in den Beirat einbringen, der in einer Konsensentscheidung darüber befindet. Vor der Finalisierung und Publikation der Leitlinie ist eine öffentliche Konsultation vorgesehen. Das Projekt wird für zwei Jahre mit insgesamt ca. 118.000 Euro gefördert.

Nierenerkrankte Kinder sollen mit Hilfe der neuen Leitlinie künftig früher identifiziert werden und frühzeitig eine bestmögliche Therapie mit positiven Auswirkungen auf ihre Lebensqualität und ihre Lebenserwartung erhalten.