PRAGMA – Patient*innenwege von Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit in Deutschland

Projektbeschreibung

Rund 6,7 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Menge, etwa 1,6 Millionen von ihnen gelten als alkoholabhängig. Ein hoher Alkoholkonsum geht mit zahlreichen Begleiterkrankungen einher und verursacht hohe Kosten für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft. Allerdings nimmt nur ein Teil der alkoholabhängigen Personen Angebote der Suchthilfe in Anspruch. Wie die medizinische Begleitung dieser Menschen aussieht und welche Versorgungswege sie beschreiten, untersucht das Projekt PRAGMA.

Die Untersuchung verknüpft dazu Informationen über Patientinnen und Patienten mit einer diagnostizierten Alkoholabhängigkeit: die Routinedaten zweier Krankenversicherungen, die Daten eines Rentenversicherungsträgers sowie erweiterte Informationen der ambulanten Suchthilfe Hamburg. Dabei nehmen die Projektbeteiligten eine umfassende und systematische Analyse vor, welche Erkrankungen die Betroffenen über einen Zeitverlauf von zehn Jahren aufwiesen, welche Leistungen sie in Anspruch nahmen und welche Schnittstellen im Versorgungssystem sich dabei ergaben. So wollen die Forschenden herausfinden, ob sich die Krankheitslast und Sterblichkeit von Patientinnen und Patienten mit verschiedenen Versorgungswegen unterscheiden. Zudem werden basierend auf der aktuellen S3-Leitlinie zur Versorgung von alkoholbezogenen Störungen prototypische Patientenwege skizziert, die mit den im Projekt identifizierten Wegen verglichen werden. Auch sollen die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Versorgung alkoholabhängiger Personen untersucht werden. Mehr zur Sicht von Betroffenen, ihren Angehörigen und medizinischen Fachkräften wollen die Forschenden mit Hilfe von vertiefenden Interviews herausfinden. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 850.000 Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann das Projekt mit Hilfe der vorliegenden Daten die Evidenzbasis der aktuellen Leitlinie stärken, Erfolgsfaktoren für die Inanspruchnahme von Maßnahmen der Suchthilfe identifizieren und so die patienten- und ergebnisorientierte Versorgung verbessern.

Konsortialpartner

AOK Rheinland/Hamburg – Die Gesundheitskasse, DAK-Gesundheit, Deutsche Rentenversicherung Nord, IFT Institut für Therapieforschung gGmbH