S3-GN – Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Glomerulonephritiden

Projektbeschreibung

Glomerulonephritiden sind seltene, komplexe und zumeist immunvermittelte Erkrankungen, bei denen es zu einer Entzündung der Nierenkörperchen (Glomeruli) kommt. Die Nierenkörperchen können dann nur eingeschränkt Schadstoffe aus dem Blut filtern und deren Ausscheidung über den Urin einleiten. Weil diese Erkrankungen so selten sind, werden sie häufig spät diagnostiziert und unterschiedlich behandelt. Eine späte Diagnose beeinflusst den Krankheitsverlauf, was zu einer lebenslangen Beeinträchtigung und Belastung der Betroffenen führen kann, insbesondere wenn eine Dialyse oder Transplantation notwendig wird. Bisher fehlen strukturierte und standardisierte Empfehlungen zur Diagnose und Therapie, die auf das deutsche Gesundheitssystem zugeschnitten sind.

Ziel des Projekts ist daher die Entwicklung einer solchen S3-Leitlinie. Standardisierte Empfehlungen sollen die Zusammenarbeit von Allgemeinmedizinern und Internisten mit Fachärztinnen und Fachärzten u. a. der Disziplinen Nephrologie, Rheumatologie, Immunologie im niedergelassenen und stationären Bereich fördern, um die Erkrankung frühzeitig diagnostizieren und bestmöglich behandeln zu können. Neben einem interdisziplinären Team aus den behandlungsrelevanten Fachgebieten wird eine Patientenvertretung an der Erstellung der Leitlinie mitwirken. Zunächst werden Ziele und Schlüsselfragen formuliert sowie Endpunkte priorisiert. Danach folgt eine systematische Recherche und kritische Bewertung der Literatur. Hierzu wird auch die im Jahr 2020 aktualisierte KDIGO-Leitlinie zur Therapie glomerulärer Erkrankungen herangezogen, die die weltweiten Gegebenheiten in der Versorgung von Glomerulonephritiden berücksichtigt. Die erarbeiteten Empfehlungen werden in einem Konsensverfahren abgestimmt. Das Projekt wird für zwei Jahre mit insgesamt ca. 227.000 Euro gefördert.

Die Leitlinie wird erstmals ein für Deutschland vereinheitlichtes, sektorenübergreifendes und interdisziplinäres Vorgehen aufzeigen und Empfehlungen zur Therapie von Glomerulonephritiden aussprechen. Sie kann die Versorgung von Patientinnen und Patienten entscheidend verbessern.

Konsortialpartner

Klinikum der Universität München AöR, Universitätsklinikum Aachen AöR