S3-LL PAP – S3-Leitlinie Perioperative Antibiotikaprophylaxe

Projektbeschreibung

Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland zwischen 400.000 bis 600.000 Menschen während ihres Aufenthalts im Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung mit Keimen. Mehr als 22 Prozent dieser Infektionen treten nach operativen Eingriffen auf; zwischen 3.000 bis 6.000 Menschen sterben an den Folgen einer solchen Infektion. Gleichzeitig wird bei den Betroffenen eine deutlich längere Verweildauer festgestellt, was jährlich eine Million zusätzliche Krankenhaustage bedeutet. Einer der Gründe dafür ist die oft suboptimale Durchführung der perioperativen Antibiotikaprophylaxe (PAP) vor operativen Eingriffen. Die nationale S1-Leitlinie zur sogenannten Perioperativen Antibiotikaprophylaxe (S1-LL PAP) stammt aus dem Jahr 2012. Seitdem gibt es de facto keine Behandlungsleitlinie zur PAP, was im klinischen Alltag z. B. bei der Behandlung von Risikopatienten, bei neuen und speziellen chirurgischen Techniken oder bei multiresistenten Erregern zu erheblichen Unsicherheiten und schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen führen kann.

Ziel des Projekts ist die Überarbeitung der S1-LL PAP und ihre Anhebung auf die methodisch-fachliche Qualität einer S3-Leitlinie. Diese soll die adäquate PAP-Indikation, die Antibiotikaauswahl, Verabreichungszeitpunkte und Behandlungsdauer sowohl bei herkömmlichen als auch bei modernen OP-Methoden berücksichtigen.

Die Erarbeitung der Leitlinie erfolgt nach dem Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Dieses beschreibt den Gesamtablauf der LL-Entwicklung im Detail: von der Planung und Organisation über die eigentliche Entwicklung und Formulierung bis hin zur Implementierung, Evaluierung und Publikation bei der AWMF. Das Projekt wird für zweieinhalb Jahre mit insgesamt ca. 434.000 Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann die neue Leitlinie dazu beitragen, mittelfristig sowohl die Infektions- und Sterberate nach Operationen als auch die Zahl unnötiger Krankenhaustage zu senken sowie langfristig die zunehmenden Resistenzen gegen Antibiotika günstig beeinflussen.

Konsortialpartner

Robert Koch-Institut