PIA – IT-gestütztes Fallmanagement zur Optimierung der Hypertonie-Therapie: Ein Delegationsprojekt für geschulte MFA in Hausarztpraxen

  • Themenfeld: Modelle mit Delegation und Substitution von Leistungen
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Status: laufend

Projektbeschreibung

Eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) kann Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Erkrankungen vorbeugen. Doch 30 bis 45 Prozent der Hausarztpatienten erreichen nicht den Blutdruckzielwert von unter 140/90 mmHg. Diese mangelnde Blutdruckkontrolle ist das zentrale Defizit der Blutdruckbehandlung in Deutschland.

Dieses Versorgungsdefizit soll das Projekt durch ein Arzt-geleitetes Delegationskonzept beheben. Aufbauend auf positiven internationalen Erfahrungen werden Hausärzte und Medizinische Fachangestellte (MFA) zur Durchführung eines IT-gestützten Blutdruckmanagements qualifiziert. Patienten erlernen das Messen von verlässlichen Blutdruckwerten, die sie über Smartphone, Tablet oder PC zur Praxis übermitteln. Die MFA werden mittels e-Schulung zur „PIA“ (PC-gestütztes Fallmanagement von Hypertonikern zur Implemenierung einer Leitlinien-konformen Hypertonie-Therapie anhand eines Arzt-definierten und supervidierten, patientenindividuellen Therapiealgorithmus) qualifiziert. Sie machen Vorschläge zur Medikamentenanpassung anhand einer vom Arzt individualisierten und Leitlinien-gestützten Handlungsanweisung.

Das Delegationskonzept mit IT-gestütztem Fallmanagement wird in einer Cluster-randomisierten Studie mit 60 Praxen, 120 Medizinischen Fachangestellten und 1.020 Patienten evaluiert. Die Hälfte der Praxen erhält das innovative Blutdruckmanagement. Es wird untersucht, ob in dieser Gruppe mehr Patienten den Blutdruckzielwert erreichen als in der Kontrolgruppe, welche die Regelversorgung erhält. Das Projekt wird für drei Jahre mit insgesamt ca. 1,2 Millionen Euro gefördert.

Im Erfolgsfall kann die neue Versorgungsform die Versorgungsqualität u.a. durch standardisierte und zugleich individualisierte Handlungsanweisungen verbessern. Außerdem kann die Versorgungseffizienz verbessert werden, beispielsweise durch eine barrierearme und schnelle Kommunikation zwischen Praxen und Patienten. Die gewonnenen Erkenntnisse können auf eine Vielzahl von Szenarien im Gesundheitswesen übertragen werden.

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Birgitta Weltermann
Institut für Hausarztmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
53127 Bonn
0049 228 287 111 56
birgitta.weltermann@ukbonn.de

Konsortialpartner

Zentrum für Klinische Studien Essen, Universitätsklinikum Essen; Techniker Krankenkasse NRW